zur vorigen Station 
 zur nächsten Station
 Themenschwerpunkt Geschichtsbild der DDR 
Sitemap Impressum/Datenschutzhinweis

das Museum des antifaschistischen Freiheitskampfes der europäischen Völker

Das Museum wurde als Kernstück der Gedenkstätte betrachtet(1), der Besucher betrat die Gedenkstätte, in dem der ehemalige Kommandanturbereich durchschritten wurde vom Parkplatz Straße der Nationen links an der heutigen Besucherinformation vorbei. Man gelangte dann auf geradem Weg direkt zum Museum, der Zugangsweg endete am Vorplatz exakt auf Höhe der Eingänge in der Mitte des Gebäudes. Der Zugangsweg war also damals ein vollkommen anderer, der somit die Bedeutung des Museums deutlich betonte, indem man direkt auf das Museum zulief.

Placeholder image

das Museum, in der Mitte der Eingangsbereich, nicht im Bild: links befindet sich der Turm A, rechts der heutige Zugang über die alte Lageranfahrtsstraße

Aus den Unterlagen und Erläuterungen zur Gedenk- und Mahnstätte Sachsenhausen geht hervor, dass man etwas volkommen Neues schaffen wolle, es sollten "die unvergänglichen Heldentaten" gezeigt werden. So entstand ein Museum, das kaum inhaltlichen Bezug zum authentischen Ort des KZs vorweisen konnte, es wurde zu einer "Leistungsschau des kommunistischen Widerstandskampfes".

Bereits beim Betreten des Gebäudes wurde man inhaltlich vorbereitet durch eine große Glasmalerei des Künstlers Walter Womacka. Es trägt den Titel "Internationaler Widerstandskampf gegen den Faschismus".

Placeholder image

Die Glasmalerei von Walter Womacka

Links stellt Womacka den deutschen Widerstand dar, rechts den bewaffneten Widerstand ausländischer Partisanen. In der Mitte ist ein Soldat der roten Armee zu sehen, flankiert von einem Häftling (links) mit einem zum Schwur erhobenen Finger und rechts von Partisanen. Beide wurden befreit durch die russische Armee, so suggeriert es das Bild.

Die vom NS okkupierten Länder erhielten die Möglichkeit, ihre Geschichte eigenständig darzustellen, sofern aus diesen Staaten auch Häftlinge im KZ Sachsenhausen inhaftiert waren. Hierfür wandte man sich an die entsprechenden Organisationen und Zusammenschlüsse der (kommunistischen) Häftlinge in den betreffenden Ländern. Die Länder hatten jeweils ca. 50 Quadratmeter Ausstellungsfläche, der Sowjetunion und Deutschland wurde die doppelte Größe zugestanden. Unbekannt ist, nach welchen Kriterien man diese 19 Staaten ausgewählt hatte, da Häftlinge aus mehr als 19 Nationalitäten inhaftiert waren. Jüdischen Häftlingen wurde kein eigener Raum gegeben, aufgrund des Protests aus Israel hiergegen wurde die Ausstellung in der Baracke 38 im kleinen Lager geschaffen, siehe meine Anmerkungen über die Ausstellung dort.

Für die die deutsche Ausstellung trugen die bereits erwähnten Gremien die inhaltliche Verantwortung. Der Staatsauftrag, der sich kurze Zeit später im eingangs erwähnten Gesetz widerspiegelt. war natürlich auch hier prägend. Georg Spielmann schrieb im August 1960 an das Ministerium für Kultur:

"Meines Erachtens müßte in der Ausstellungsabteilung, Widerstandskampf in Deutschland, zum Ausdruck kommen, daß die DDR die Krönung des antifaschistischen Widerstandes in Deutschland ist. Zum Abschnitt Westdeutschland: Es sollte eingeleitet werden mit der Feststellung, daß das Vermächtnis der Antifaschisten in Westdeutschland noch seiner Erfüllung harrt."

Georg Spielmann an das Ministerium für Kultur, zitiert nach: Nieden, Susanne zur: Das Museum des antifaschistischen Freiheitskampfes der europäischen Völker, in: Morsch, Günter (Hrsg.): Von der Erinnerung zum Monument. Die Entstehungsgeschichte der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (=Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Bd. 8), Berlin 1996, S. 255-264, hier S. 257.

In weiteren Diskussionen ordnete in einer Besprechung mit Walter Ulbricht eine Überarbeitung der bisherigen Konzeption an. Letztlich hat Ulbricht seine Thesen, die er 1946 veröffentlichte, in die Ausstellung gebracht, dies wird genauer in meinen Ausführungen zum Lagermuseum gezeigt.(2)

Ein Mitarbeiter des Instituts für Marxismus-Leninismus spitzte zu:

"Zwischen dem Hitlerfaschismus und der Politik der Bonner Regierung bestehen keine prinzipiellen Unterschiede".

Zitiert nach. Ebd., S. 258

Erneut sollte gezeigt werden, dass die Beziehung zwischen dem sg. "Monopolkapitalismus" und Faschismus betont werden müsse, er sprach sogar davon, "eine gesetzmäßige Wende in Deutschland herbeizuführen", das Adenauerregime sei die "Fortsetzung der reaktionären militaristischen und antihumanistischen Traditionen".(3)

Bereits im Ausstellungsauftakt wurden die zentralen Thesen vorgestellt. Die Dimitroff-Definition des Faschismus wurde explizit erwähnt, die angebliche Rolle des Finanzkapitals durch die bekannte Collage von John Heartfield illustriert. Dem stand der Kampf der Kommunisten gegenüber, dessen Leitfigur Ernst Thälmann war.

Placeholder image

 

Zwar wurden auch andere Widerstandskämpfer erwähnt, sogar Stauffenberg wurde in einer Bildserie gezeigt, sein Widerstand aber mit keiner Silbe erwähnt, so blieb auch die Rolle des KZs Sachsenhausens für den 20. Juli 1944 unerwähnt. "Selbstverständlich" formierte sich der vielfältige Widerstand (also auch der militärische oder der der Weißen Rose) unter der Führung der Arbeiterklasse:

Placeholder image

Die zweite Ausstellungstafel, hervorgehoben von oben nach unten: Ernst Thälmann, Rudolf Breitscheid (SPD), Sophie Scholl (Weiße Rose), Paul Schneider (Pfarrer der bekennenden Kirche) und Käthe Niederkirchner (Kommunistin).

Links auf der Ausstellungstafel der Text: "Unter der klaren Führung der Arbeiterklasse entstanden trotz des forcierten Terrors landauf landab heldenhafte Widerstandsgruppen. In diesem Kampf wuchsen in Deutschland unvergessliche Helden aus allen Kreisen des Volkes. Ihnen allen war der Friede und die Nation heilig." Man beachte auf den kräftig dargestellten Häftling mit geballter Faust. Der rote Winkel identifiziert ihn als politischen Häftling.

Die Geschichte des Nationalsozialismus wurde reduziert auf eine Abfolge verschiedener Widerstandsaktionen, an dessen Ende die DDR als krönender Abschluss stand.

Placeholder image

Text: "Unser deutsches Volk, das durch seinen Fleiss und humanistischen Leistungen bedeutendes zur Menschheitsgeschichte beitrug, verdient den Frieden und eine glückliche Zukunft. Dieser nationale Anspruch war es, der die Widerstandskämpfer gegen Hitler erfüllte, wie er heute die Politik der Deutschen Demokratischen Republik erfüllt."

In der kleineren angeschrägten Texttafel darunter werden Proteste (Bild links Protest gegen den Vietnamkrieg) in die Tradition kommunistischen Widerstandes gesetzt: "Die Gemeinschaft der Friedenskräfte in der Deutschen Demokratischen Republik und Westdeutschlands ist imstande, unserem Volk den Frieden zu sichern."

Auch auf aktuelle Politik wurde verwiesen, der Bundesrepublik wurde die Legitimität aberkannt:

Placeholder image

die DDR als krönender Abschluss: Rechts ist zu lesen: "In der Deutschen Demokratischen Republik wurden die Konsequenzen aus den Lehren der Geschichte gezogen. Die Kreise, die das deutsche Volk in das Unglück zweier Weltkriege gejagt haben, wurde die Macht genommen. Nur der deutsche Staat kann Anspruch erheben, ein rechtmäßiger deutscher Staat zu sein, der die Schande der Menschenverachtung vom deutschen Volk wäscht und dafür sorgt, dass die guten, humanistischen Traditionen im deutschen Volke herrschen. Ein solcher Staat ist die Deutsche Demokratische Republik."

Auf der Abschlusstafel wurde das Thema des "Widerstandes" in der Bundesrepublik erneut aufgegriffen. Verschiedener Protest wurde subsumiert unter den Widerstand der Arbeiterklasse, während die Vertreter des Finanzkapitals sich an die Vergangenheit verzweifelt klammern:

Placeholder image

Links auf der Schautafel die Vertreter des sg. "Monopolkapitals", daneben Fotos verschiedener Proteste gegen die aktuelle Politik in der Bundesrepublik.

Mit diesen Schautafeln wurde durchaus auch der Anspruch erfüllt, die bereits erwähnte "gesetzmäßige Wende" herbeizuführen.

(1) Nieden, Susanne zur: Das Museum des antifaschistischen Freiheitskampfes der europäischen Völker, in: Morsch, Günter (Hrsg.): Von der Erinnerung zum Monument. Die Entstehungsgeschichte der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (=Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Bd. 8), Berlin 1996, S. 255-264, hier S. 255.

(2) Vgl. Ulbricht, Walter: Die Legende vom ,,deutschen Sozialismus'' Ein Lehrbuch für das schaffende Volk über das Wesen des deutschen Faschismus, Berlin 1946.

(3) Hinweise des Genossen Walter Ulbricht vom 20. 1. 1961, zitiert nach ebd., S. 257f.